Neuer Bergschuh gefällig? Meist ist das eine Ausgabe, die man nicht aus der Portokasse zahlt – zumindest wenn man ein Ledermodell anvisiert. Teuer ist hier aber nur der erste Eindruck, denn der Lederschuh ist allemal sein Geld wert. Wer sich mit nachhaltigem Konsum beschäftigt, weiß: Der wahre Preis zeigt sich erst mit der Zeit. Ganz nach dem Motto „Wir sind zu arm, um etwas Billiges zu kaufen“ haben wir genauer hingeschaut, was es mit den hohen Kosten auf sich hat.

Wenn es ein Material gibt, das langlebig ist, dann ist es Leder. Das liegt vor allem daran, dass es äußerst robust ist. Damit entspricht es auch den Anforderungen, die der Berg stellt, und je höher es hinauf geht, umso wahrer wird dieser Satz! Warum?
- Leder schützt: Es ist auf natürliche Art wasserabweisend und atmungsaktiv. Das heißt die Füße bleiben trocken, von innen und außen. So werden Blasen und Reibung reduziert.
- Die hohe Stabilität des Materials schützt zudem vor Verletzung. Die Knöchel sind, je anspruchsvoller die Tour, vielen Unebenheiten ausgesetzt. Ein Lederschaft ist stabil und passt sich mit der Zeit genau dem Fuß und seinen Bedürfnissen an. Er sitzt wie eine zweite Haut und hält den Fuß aufrecht.
- Je besser ein Schuh sitzt, umso besser ist die Leistungsfähigkeit: Kein Rutschen, kein Reiben, sondern Komfort, Halt und Sitz – und eine ungeheuer gute Passform. Da hat man gleich Lust auf eine längere Tour!
- Und diesen individuell angepassten Begleiter möchte man viele Jahre behalten: Leder ist langlebig, lässt sich pflegen, reparieren und neu besohlen.

Betrachten wir nun erneut den Preis und bringen ihn zusammen mit der Lebensdauer des Schuhs. Angenommen, der neue Schuh kostet 280 Euro und geht jedes Jahr circa 34 Tage ins Gebirge, das sind zwei einwöchige Wanderurlaube und zehn Wochenenden.
Bei einer Lebensdauer des Schuhs sind das insgesamt 340 Tage. Das heißt, dass der Schuh pro Einsatz weniger als einen Euro kostet. Und damit weit weniger als die Limo auf der Alm, das Gondelticket auf den Gipfel oder das Benzin zurück nach Hause. Ausgaben, die wir pro Wandertag gerne auf uns nehmen – ohne darüber nachzudenken.
Ein Schuh wird nun daraus, wenn wir das Gegenmodell „preiswerter Schuh“ anschauen. Sagen wir, das Modell kostet 80 Euro. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Nichtleder-Modells beträgt bei intensivem Einsatz circa eineinhalb Jahre – die mechanische Beanspruchung im Gebirge ist hoch. Für die zehnjährige Lebensdauer des Lederschuh müssten wir hier also zwischen sechs und sieben Paar kaufen. Auf den einzelnen Wandertag heruntergerechnet sind das 1,60 Euro. Außerdem liegen hier viele nicht recycelbare Schuhe auf dem Müll, und zwar sehr lange. Plastik zersetzt sich, im Gegensatz zu Leder, nicht.
Fazit: Langlebigkeit zahlt sich aus. Das bedeutet, wir sollten nicht nur weniger, sondern vor allem hochwertiger kaufen. Ein Leder-Bergschuh mag zunächst teurer sein – langfristig ist er aber die deutlich klügere Wahl. Für die Füße, für den Geldbeutel und für unseren Planeten.


